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Lost Art


Jüdische Sammler und Kunsthändler (Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und Enteignung)

Altmann, Bernhard

Lebensdatengeb. 23. Dezember 1888 Przemyśl/Galizien; gest. 02. Dezember 1960 Zürich
BerufGroßindustrieller, Textilfabrikant
AdresseWien XIII., Kopfgasse 1 / Hietzinger Hauptstraße 31
Firmensitz, -name, -gründungWien V., Siebenbrunnengasse 19-21; Bernhard Altmann-Garnhandel, April 1915; Strickwarenfabrik, 1919; Strickwarenbetrieb in Kossino bei Moskau, 1926; Strumpffabrik in Paris, 1932
SchicksalVon einer Auslandsreise nicht mehr zurückgekehrt, wurde er vom Zentralmeldeamt als am 21. Mai 1938 nach Paris geflüchtet abgemeldet. Nach einem längeren Aufenthalt in England lebte Bernhard Altmann nach 1945 vorwiegend im Bundesstaat New York, zeitweise auch in Wien und der Schweiz.
SammlungDie Sammlung umfasste u.a. Gemälde von Egger-Lienz und Franz v. Lenbach.
Enteignung1938 erfolgte die "Arisierung" des Wiener Unternehmens. Die Geheime Staatspolizei beschlagnahmte mit Einziehungserkenntnis vom 13. Juni 1938 auf Grund der zweiten VO zum Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 18. März 1938, in Verbindung mit dem Erlass des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Inneren vom 23. August 1938, nebst anderen Liegenschaften, das im Eigentum von Bernhard Altmanns Ehefrau Nelly stehende Haus in der Kopfgasse samt Einrichtung und die Fabrik in Wien 5, Siebenbrunnengasse 21, zugunsten des Deutschen Reiches. Da das Ehepaar Altmann keine Vermögensanmeldung bei der VVSt. vorgenommen hatte, wurde ihr Vermögen zur Festlegung der Reichsfluchtsteuer geschätzt. Die gesamten in der Villa in Wien 13., Kopfgasse 1, befindlichen Möbel, Einrichtungs- und Kunstgegenstände wurden durch Verfügung der Gestapo dem Dorotheum übergeben und gelangten - mit Ausnahme von zehn Gemälden, deren Maler Juden waren – von 17. bis 22. Juni 1938 zur Versteigerung. Die zehn Gemälde wurden Bernhard Altmann 1948 vom Dorotheum übergeben, aber es war ihm trotz intensiver, 1954 eingeleiteter Suche unter Einschaltung des Bundesdenkmalamtes nicht möglich, alle 1938 versteigerten Kunstgegenständen zurückzuerhalten.
Restitution2002 wurde von den Städtischen Sammlungen das Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller "Univ. Prof. Dr. Sigmund Caspar Fischer" (1837) restituiert, 2005 gab das Wallraf-Richartz-Museum Köln/BARoV das Werk von Franz von Lenbach, Porträt "Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn" zurück.
Quelle

Lillie, Sophie, „Was einmal war – Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens“, Wien 2003, S. 33 ff.; s. Abschnitt 2.3.5.

Zusammenfassende Darstellung betreffend die Erwerbung von Objekten aus der Sammlung von Bernhard Altmann durch die Städtischen Sammlungen unter http://www.wienmuseum.at/pdf/Restitutionsbericht_2002.pdf (Stand 13.03.06).

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