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Lost Art


Jüdische Sammler und Kunsthändler (Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und Enteignung)

Duschnitz, Willibald

Lebensdaten02.04.1884-03.07.1976 (Teresepolis/ Brasilien)
Famile
  • Jenka, 1886/Holleschau (Mähren)-08.05.1967/Genf (1. Ehefrau; geb. Loeff; Ehe 1926 geschieden);
  • Eva (Tochter), 30.06.1910/Wien-30.03.1999/Genf
  • Elisabeth Frankl (2. Ehefrau; geb. Beer, Ehe 1932/Wien, geschieden 1934)
  • Adolf Duschnitz (Vater) verh. mit Pauline (geb. Langraf)
BerufUnternehmer; 1879 Gründung durch Adolf Duschnitz: "Erste Österreichisch-Ungarische Filzfabrik und Schuhwarenfabrik Adolf Duschnitz" in Achau; 1909 Übernahme; ab 1936 Unternehmensgründung in Sheffield, G.B.
WohnsitzWien, Villa im 19. Bezirk "Cottage", Weimarerstrasse 87 (früher Carl-Ludwig-Straße 73), Architekt Adolf Loos, Umbau 1915-16; ab 1926 Wohnung in der Nähe der Secession, Getreidemarkt 2, 1. Bezirk
Sammlung

Holländische Gemälde des 16. Und 17. Jahrhunderts, italienische Möbel und Skulpturen des 15. Und 16. Jahrhunderts, kunsthistorische Bibliothek, spez. Sammlung- und Auktionskataloge (vgl. Handbuch des Kunstmarktes, Kunstadressbuch für das Deutsche Reich, Danzig und Deutsch-Österreich, Berlin 1926). Ab 1926, Chinesische, ägyptische, griechische (Tanagra Statuen),

syrische und persische Antiquitäten. 1932 Erwerb einer bedeutenden Sammlung 175 antiker und mittelalterlicher Gläser. Regelmässig Leihgeber von Kunstobjekten an Ausstellungen im In- und Ausland. Verkauft Kunstwerke seiner Sammlung an Kunsthändler (u. a. Jacques Goudstikker) und bedeutende Kunstsammler wie Baron Thyssen-Bornemisza, Bertha Hochstetter Buswell und Eva Klabin. Provenienzmerkmal auf Gemälde: Wachssiegel mit Wappen und Schriftzug.

"Exemplarisch angeführt sei die ausgezeichnete niederländische Sammlung des Filzfabrikanten Willibald Duschnitz [...], deren vollständige Dokumentation noch nicht geglückt ist. Die Ursache hierfür liegt wohl weniger an der oftmals geäußerten Vermutung, die relevanten Akten seien durch die Archive skartiert oder unter dem Vorwand des Datenschutzes für die Forschung gesperrt worden, sondern vielmehr am Gegenteil: am enormen, einen Überblick nur schwer zulassenden Volumen des erhalten gebliebenen Materials und seiner bislang nur lückenhaften Bearbeitung." (Lillie 2003, 19)

VerlustgeschichteWien nach der Emigration im Sommer 1938; 1941 Enteignung
Schicksal1938 Emigration über (Süd-)Frankreich, 1940 über Spanien und Portugal nach Rio de Janeiro, Brasilien.
Restitutionen

1950 seine Villa samt Walcker-Orgel. 1950-52, Rückgabe der zur Sicherheit in Museen, bei Kunsthändlern und Privaten untergebrachte Kunstwerke. 2013

drei antike Glaeser aus dem Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien (Rückgabebeschluss 08.10.2013,

http://www.kunstrestitution.at/tl_files/upload/docs/Beschluesse/Duschnitz_Willibald_2013-10-08.pdf).

QuellenSohie Lillie: Was einmal war, Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens, Wien 2003; http://www.geni.com/people/Jenka-Loeff/6000000007014390419 [Stand März 2013];
http://gw13.geneanet.org/ferrieref?lang=fr;p=jenka+georgina+nadiesda+loff;n=loeff [Stand März 2013] http://www.bmukk.gv.at/medienpool/16672/beschluss_duschnitz.pdf [= Beschlussvorschlag BMUK v. 09.05.2008]; Harold H. Chipman, L’odyssée du collectionneur et industriel autrichien Willibald Duschnitz en France / Die Odyssee des österreichischen Sammlers und Industriellen Willibald Duschnitz in Frankreich. In: Anne Grynberg & Johanna Linsler (Eds.): L'Irréparable. Itinéraires d'artistes et d’amateurs d’art juifs, réfugiés du « Troisième Reich » en France / Irreparabel. Lebenswege jüdischer Künstlerinnen, Künstler und Kunstkenner auf der Flucht aus dem „Dritten Reich“ in Frankreich. Veröffentlichungen der Koordinierungsstelle Magdeburg, 9, bearb. v. Andrea Baresel-Brand, Magdeburg 2013, 387-407; Harold H. Chipman & Leonhard Weidinger, Ein Enthusiast für Industrie und Kunst – Willibald Duschnitz, in Eva Blimlinger & Heinz Schödl (Hg.): Die Praxis des Sammelns – Personen und Institutionen im Fokus der Provenienzforschung, Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung, Band 5, Wien 2014, 71-98; Werner Rosenberger, Sammler aus der Zauberwelt, Der Kurier, Supplement, Wien, 28. November 2014

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