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Lost Art


Jüdische Sammler und Kunsthändler (Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und Enteignung)

Liebermann, Max

Lebensdatengeb. 20. Juli 1847; gest. 08. Februar 1935
BerufKunstmaler; Akademiepräsident, Ehrenpräsident der Akademie; Sohn des reichen Kattunfabrikanten, Großkaufmanns und Stadtverordneten Louis Liebermann und dessen Ehefrau Philippine
Angehörige
  • Ehefrau: Martha (geb. Marckwald), 1857-10.03.1943 (durch Freitod vor Deportation)
  • Tochter: Käthe Riezler (1887-1952), Ehemann Kurt (1882-1955, Emigration USA 1938)
  • Enkeltochter: Maria White (geb. 1917)
  • Bruder: Georg Liebermann, Ehefrau Else (geb. Marckwald)
AdressePariser Platz 7, Berlin (Elternhaus M.L.); Villa (Wannsee; zwangsverk. 1940); Graf-Spee-Str., Berlin-Tiergarten (1935)
EnteignungZwischen 1935 und 1943 musste Martha Liebermann aufgrund ihrer sich dramatisch zuspitzenden Lebenssituation zahlreiche Kunstwerke veräußern. Am 24. März 1943 ließ der Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg den beschlagnahmten Nachlass Martha Liebermanns auf einer mehrseitigen Inventar- und Bewertungsliste erfassen. Von der ehemals großen Sammlung ihres Ehemannes befanden sich zu diesem Zeitpunkt nur noch 53 Kunstwerke (Gemälde, Pastelle, Zeichnungen, Skizzenbücher) in der Wohnung, darunter auch Arbeiten vom Künstler selbst.
Schicksal1933 wird der hochgeschätzte Maler und Ehrenpräsident der Preußischen Akademie der Künste Max Liebermann zur Unperson. Angesichts der Gleichschaltung der Akademie der Künste legte Liebermann sein Ehrenpräsidentenamt nieder, um der drohenden Entlassung zuvor zu kommen. Nach seinem Tod 1935 bleibt seine Witwe in Berlin. Martha Liebermann wurde in der Folge durch das nationalsozialistische Regime massiven Schikanen ausgesetzt. 1936 bezog sie eine neue Wohnung; ihr Haus neben dem Brandenburger Tor konnte sie nach Verhängung des sogen. Judenbann im Dezember 1938 nicht mehr betreten. Im Winter 1942/43 erlitt sie einen Schlaganfall. Nachdem sie am 05. März 1943 die Aufforderung zur Deportation nach Theresienstadt erhalten hatte, nahm sie eine Überdosis Schlaftabletten und starb am 10. März 1943. Am 18.10.1941 hatte sie geschrieben: „Ich bin 84 Jahre alt, und habe bis vor einigen Monaten niemals an eine Auswanderung gedacht. Aber mir ist jetzt die Situation unerträglich geworden und ebenso wie die heutigen Verhältnisse unvorstellbar waren, ebenso ist es nicht möglich zu ahnen, was noch passieren kann. Ich danke jeden Morgen dem Schicksal, daß mein Mann diese Zeit nicht erlebt und daß meine Tochter mit Mann und Kind dieses Land verlassen konnten ...“.
Sammlungu.a. französische Impressionisten; kostbares Inventar (Gobelins etc.). Max Liebermann besaß eine bedeutende Kunstsammlung französischer Impressionisten, allein von Manet 16 Gemälde sowie Pastelle und Zeichnungen. Daneben umfasste seine Sammlung Arbeiten u.a. von Carl Blechen, Franz Krüger, Wilhelm Leibl, Adolph Menzel (über 60 Werke), Carl Steffeck sowie Federzeichnungen von Rembrandt. Noch kurz vor seinem Tode ergriff M.L. vorausschauend Maßnahmen, um Teile seiner Kunstsammlung zu schützen. Im Mai 1933 wurden 14 Gemälde französischer Impressionisten in ein Depot des Kunsthauses Zürich auf den Namen Liebermann/Riezler eingelagert. Der weitaus überwiegende Teil der Sammlung verblieb jedoch in Berlin. Das Schicksal dieser Sammlung ist eng mit dem Leidensweg von Martha Liebermann verbunden.
QuelleKarl-Heinz und Annegret Janda: Max Liebermann als Kunstsammler. In: Forschungen und Berichte, Berlin, Jg. 12 (1973), 105-149; Annegret Janda: Max Liebermanns Kunstsammlung in seinen Briefen. Versuch einer Chronologie. In: Max Liebermann und die französischen Impressionisten, hrsg. von G. T. Natter und J. Schoeps, Köln 1997, 224-254; Bernd Schmalhausen: „Ich bin doch nur ein Maler“. Max und Martha Liebermann im ‚Dritten Reich‘, Hildesheim/ Zürich/New York 1998; s.a. frdl. Hinweis per E-Mail von Dr. M. Tatzkow 09/2010 sowie: www.stiftung.brandenburgertor.de [Stand 27.09.2010]

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