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Lost Art


Jüdische Sammler und Kunsthändler (Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und Enteignung)

Regenstreif, Friedrich (Fritz)

Lebensdaten(1868-1941)
Beruf / UnternehmenHolzindustrieller; Krivaja Sumska Industrija A.D.(später Krivaja Forstindustrie, AG, vorm. Eissler &(or i) Ortlieb Zavidovici (in Bosnien auch bek. als Bos. Sum ind. Ajsler I), Anteilseigner war u.a. die Bosnische Regierung, mit dem früheren Otto Steinbeiss Holzunternehmen verschmolzen in ein Syndikat der Forstindustrie „SIPAD“ (Sumsko Industrijsko Produzece a.d. (Sipad) Sarajevo)), später "arisiert" in  Holzbauwerke Breslau
Angehörige
  • Sohn Paul (geb. 21.01.1899) Regenstreif + Therese (geb. Wolf)
  • Tochter Ellen Rose (Maexie) Illich, 3 Kinder
AdresseVilla Regenstreif, 18. Wiener Gemeindebezirk Währing, Pötzleinsdorfer Straße 36–38
Besitztümer

Friedrich Regenstreif musste im März 1941die Liegenschaft (Gebäude zzgl. c. 2 ha Grund) mitsamt wertvollem Inventar für 550.000,- Reichsmark an die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront (DAF) verkaufen. Kurz darauf verstarb er. „Mit Unterstützung der Familienanwälte konnte das Verlassenschaftsverfahren nach Friedrich R. noch in einigermaßen geordneten Bahnen im Laufe des Jahres 1941 abgewickelt werden. Im März 1942 musste Friedrich Rs. Sohn und Erbe Paul R. jedoch vor der NS-Verfolgung aus Wien flüchten. Im September 1942 emigrierte Friedrich R.s Tochter und Erbin, die damalige italienische Staatsbürgerin Ellen I. mit ihren drei minderjährigen Kindern – darunter die zwei Antragsteller – über Split nach Florenz. Nachdem auch Magda Goebbels, die Frau von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels kurzzeitig Interesse am Erwerb der Liegenschaft gezeigt hatte, ging diese im Jahr 1943 auf die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) über. Diese plante auf dem Areal die Errichtung eines Erholungsheimes für kriegsversehrte Offiziere der Deutschen Wehrmacht.“ (Q: Pressemitteilung Entscheidung Nr. 531/2009, Schiedsinstanz für Naturalrestitution)

1945 bis 1955 mieteten die US-Behörden das Gebäude an. Die Villa war Außen zwar intakt, aber Innen zerstört. 1958 entschied man sich für den Verkauf; 1964 brannte das Gebäude nieder.

SchicksalEmigration der Kinder
Restitution"Der aus Ungarn nach Österreich zurückgekehrte Paul R. erhielt die seinem Erbteil entsprechende Hälfte an der Liegenschaft im Jahr 1948 ohne weitere Auflagen zurückgestellt, da er den aus dem Verkauf an die DAF zustehenden Kaufpreisteil von 275.000,- Reichsmark nicht erhalten hatte. Paul R. schenkte seinen Anteil an der Liegenschaft unmittelbar nach der Rückstellung seiner Frau Therese R. Die andere Hälfte wurde im selben Jahr von der sich weiterhin in Italien befindlichen Ellen I. beansprucht. Die zuständige Finanzlandesdirektion (FLD) für Wien, Niederösterreich und das Burgenland entschied im November 1949 ebenfalls auf Rückstellung; jedoch mit der Auflage, dass Ellen I. den ihr zugekommenen Kaufpreisteil von 250.000,- Reichsmark (= 250.000,- Schilling) zurückzahlen müsse. Der dagegen von Ellen I. erhobenen Berufung wurde stattgegeben. Die Berufungsbehörde ließ die Rückzahlungspflicht zwar aufrecht, erlaubte allerdings die Verrechnung mit den in der NS-Zeit an der Villa R. entstandenen Schäden an der Innenarchitektur. Diese waren teils durch mutwillige Zerstörung, teils durch zweckentfremdende Umbauarbeiten entstanden. Nach einer zeitaufwändigen Ermittlung der genauen Schadenshöhe anerkannte die Republik Österreich in einem mit Ellen I. im Jahr 1953 geschlossenen Vergleich, dass der entstandene Schaden den Betrag von 250.000,- Schilling übersteige. Die Rückzahlungspflicht entfiel daher. Weiters erhielt Ellen I. auch Mieteinnahmen von rund 55.000,- Schilling ausbezahlt.
1954 verkaufte Ellen I. ihre Liegenschaftshälfte an die andere Hälfteeigentümerin, ihre Schwägerin Therese R. Nach mehreren Verkäufen gelangte der größte Teil der Liegenschaft in den 1960er Jahren in den Besitz der Bundeswirtschaftskammer. 1964 fiel die Villa R. einem Brand zum Opfer und wurde abgerissen. Nach Errichtung von mehreren Studentenheimen ging die Liegenschaft in den 1980er Jahren auf die BUWOG GmbH über, einer Wohnbaugesellschaft der Republik Österreich." (Q: Pressemitteilung Entscheidung Nr. 531/2009, Schiedsinstanz für Naturalrestitution); s.a. http://de.nationalfonds.org/sites/dynamic743c.html?id=news20080117160614071
Quelle

Ivan Illich: Verlust von Welt und Fleisch o.O., 1938; Sascha Illich: Our Pötz: Pictures of my Grandfathers Villa in Pötzleinsdorf, Vienna. saschapress, 2007; Österreichischer Nationalfond, Schiedsinstanz für Naturalrestitution, Entscheidungsnummer 531/2009; http://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Regenstreif; Pressemitteilung Entscheidung Nr. 531/2009, Schiedsinstanz für Naturalrestitution;

http://de.nationalfonds.org/sites/dynamic743c.html?id=news20080117160614071

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