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Lost Art


Jüdische Sammler und Kunsthändler (Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und Enteignung)

Rothberger, Heinrich

Lebensdatengeb. 13. September 1868,Wien; gest. 20. Jan. 1953, Montreal
BerufHerrenschneider
Angehörige
  • Ehefrau: Rothberger (Burchardt), Ella (1878-1964)
  • Kinder: Johann Jakob (1899-1987), Friedrich (1902-2000)
Adressebis 1941: Wien I., Jasomirgottstraße 1
Firmensitz, -name, -gründung„Warenhaus Jacob Rothberger“, Wien I., Stephansplatz 9-11
BesitztümerBeide Eheleute waren Miteigentümer der Häuser Wien I., Stephansplatz 9-11 und der Villa in Wien XVIII., Artariastraße 3
Schicksal1941 Flucht von Heinrich und Ella Rothberger über Spanien nach Kuba; nach dem Krieg Umzug nach Kanada. Johann Jakob Rothberger wurde im Februar 1939 aus dem KZ Buchenwald entlassen und floh anschließend nach England. Friedrich Rothberger, der 1938 als Mathematiker an der Universität Warschau tätig war, emigrierte ebenfalls nach England; beide Söhne gelangten schließlich ebenfalls nach Kanada.
SammlungDie Sammlung Heinrich Rothberger bestand in erster Linie aus hochrangigen Porzellanobjekten, ein Großteil davon Erzeugnisse der Wiener Porzellanmanufaktur vor 1815, sowie aus Aquarellen und Drucken.
EnteignungAb Sommer 1938 Arisierung der Firma Jacob Rothberger; 1939 „Verkauf“ an Wilhelm Bührer; November 1938 Versteigerung eines Teils der Porzellansammlung beim Berliner Auktionshaus Hans W. Lange, der Erlös dieser Auktion wurde zur Abgeltung von NS-Zwangsabgaben „verwendet“. Die übrige Sammlung wurde sichergestellt. 55 Stücke wurden 1938-1940 vom Staatlichen Kunstgewerbemuseum in Wien (heute MAK), zwei Tassen und ein Service von den Städtischen Sammlungen Wien und sechs Drucke und zwei Aquarelle von der Albertina erworben. Im Februar 1941 Zwangsveräußerung der Liegenschaft Wien I., Stephansplatz 9-11, im Juli 1941 Zwangsveräußerung der Villa in Wien XVIII., Artariastraße 3.
Restitution1947 Rückgabe von 32 Porzellanen aus dem MAK. Die im April 1945 ausgebrannte Liegenschaft am Stephansplatz wurde restituiert und in der Folge verkauft, zur Villa in der Artariastraße wurde ein Vergleich abgeschlossen. Seit 2003 wurden 23 Porzellane aus dem MAK, ein Tasse und ein Service aus dem Wien Museum, zwei Aquarelle aus der Albertina und ein Porzellan-Objekt aus dem Fitzwilliams Museum in Cambridge, GB, restituiert. Für einen Teller, der sich heute im British Museum befindet, wurde eine finanzielle Abgeltung vereinbart.
QuelleChristina Gschiel, Ulrike Nimeth, Leonhard Weidinger (Hrsg.): Schneidern und sammeln. Die Wiener Familie Rothberger (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung, 2), Wien 2010; Lillie, Sophie, „Was einmal war – Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens“, Wien 2003, 991 ff.

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