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Dienststellen und Verantwortliche des systematischen und organisierten NS-Kulturgutraubes

Göring, Hermann

(1893-1946). Im WK I Jagdflieger; Mitglied des Reichstags für die NSDAP 1928; im NS-Staat politische Karriere und Ämterhäufung: Reichtagsspräsident (1932), Reichsminister ohne Geschäftsbereich; Reichskommissar für Luftfahrt (1934). 10. 04.1933 Preußischer Ministerpräsident, Mai 1933 Luftfahrtminister; 1934 Reichsforst- und Reichskulturkammer; Beauftragter für den Vierjahresplan, etc. Aufseher über das Preußische Staatstheater sowie die Hermann-Göring-Schule für Malerei. Im April 1934 wird auf Görings Veranlassung hin enteignetes jüdisches Vermögen aus Sperrkonten dem Staat zugeführt; im November fordert er von der jüdischen Bevölkerung 1 Milliarde Reichsmark (RM) Schadensersatz für die Gewalttaten der Reichskristallnacht; letztlich können die geleisteten Zahlungen auf rund 1,2 Milliarden RM beziffert werden. Göring untersteht die Koordiniierung der „Arisierungen“ die die Ausschaltung der Juden aus der Wirtschaft zum Ziel hatten.

1938 befördert Göring den Zwangsverkauf der Fromms-Gummiwerke und damid des Monopols in der Herstellung von Kondomen, insbesondere durch Belieferung der Wehrmacht. Die Firma war ca. acht Millionen Reichsmark wert, wurde für 200.000 Schweizer Franken verkauft. Erwerberin war Elisabeth v. Epenstein aus Mauterndorf, die Patentante Hermann Görings. Deren verstorbener Mann, der Ritter Hermann v. Epenstein, nach NS-Kriterien "Halbjude", hatte 15 Jahre lang ein Verhältnis mit Görings Mutter. Elisabeth v. Epenstein "arisierte" ein österreichisches Landgut und schenkte Göring im Gegenzug den Wohnsitz seiner Kindheit, Burg Veldenstein (bei Nürnberg), und vermachte ihm Burg Mauterndorf in Österreich.

Göring trug in seinem Sitz Carinhall (ab 1934 errichtet; in der Schorfheide bei Berlin) in Konkurrenz zu Hitlers Linzer Sammlung eine große Kunstsammlung mit ca. 1300-1800/1900 Gemälden sowie Grafik, Skulpturen, Waffen, Münzen, Tapisserien zusammen. Die europaweiten Ankäufe (u.a. bei Goudstikker in Amsterdam) wurden zu einem großen Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert. Es handelte sich um eine eklektische Sammlung, vorwiegend holländische und deutsche Alte Meister sowie französische und italienische Gemälde, auch eine begrenzte Anzahl von damals zeitgenössischen Arbeiten. Kunstwerke wurden auch aus Konfiskationen erworben sowie als Zahlungsmittel bzw. Tauschobjekte eingesetzt. Weinsammlung.

Biografie: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/GoeringHermann/index.html

Literatur: Ilse von zur Mühlen: Die Kunstsammlung Hermann Görings. Ein Provenienzbericht der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München 2004; Hanns Christian Löhr : "Der Eiserne Sammler". Die Kollektion Göring, Berlin 2009; Nancy H. Yeide: Beyond the Dreams of Avarice. The Hermann Goering Collection, Dallas 2009; Joachim Fest: Hermann Göring. Der zweite Mann. In: Ders.: Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitären Herrschaft. München / Zürich  (11) 1993; Götz Aly, Michael Sontheimer: "Fromms. Wie der jüdische Kondomfabrikant Julius F. unter die deutschen Räuber geriet", 2007; s.a. www.dhm.de/lemo;

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