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Dienststellen und Verantwortliche des systematischen und organisierten NS-Kulturgutraubes

Neuhausen, Franz "der Dicke", "der dicke Franz"

Landesgruppenleiter Jugoslawien; 1937 Sonderbevollmächtigter des Reichsbeauftragten für den Vierjahresplan und Generalkonsul; Obergruppenführer des NSFK; "Wehrmachtsverwaltungschef für Serbien" und "Generalbeauftragter für die serbische Wirtschaft"; im Ersten Weltkrieg Major der Luftwaffe, diverse zweifelhafte Handelsunternehmungen in Bulgarien und Jugoslawien, teils mit Insolvenzen/Offenbarungseid 1933; später Statthalter Görings in der jugoslawischen Wirtschaft; mehrfach verurteilt bis hin zu 20 Jahren schwerer Kerker (1947, durch Militärrichter des 5. Belgrader Kriegsverbrecherprozesses); enger Kontakt zu Göring

Nach 1933, erlangte er in Belgrad, mit Unterstützung von Helene Roßbach, seiner langjährigen Sekretärin und Vertrauten, Beteiligungen an Fuhrunternehmen, Vertretungen und Handelsgesellschaften; Repräsentant der Deutsche Reichsbahn in Belgrad; Interessenvertreter von Lufthansa und Hapag in Jugoslawien.
Er lancierte die jugoslawische Erneuerungsbewegung "Zbor" (Die Sammlung) in den internationalen Handel. Mit dem Zbor-Führer Dimitrije Ljotitsch gründete er die "Technische Union", Ziel: direkter Austausch jugoslawischer Agrarprodukte gegen deutsche Maschinen; er war in die politischen Geschicke involviert und versuchte diese - teils erfolgreich - zu manipulieren, verschob Gold nach Südamerika. Nach Ausbruch des Balkankriegs managte er die ostserbischen Kupfergruben in Bor; von seinem Hauptquartier im Gebäude des ehemaligen jugoslawischen Luftfahrtministeriums im Belgrader Stadtteil Semlin lenkte er die Blei- und Zinkgruben in Treptscha bei Kossowska Mitrowitza. Er verfügte über die Ausbeute der von ihm mitbegründeten Jugo-Petrol (Mur-Insel); Vorsitzender des Aufsichtsrats der Belgrader Filiale des "Wiener Kreditvereins" (= "Bankverein"); verwickelt in Rüstungsgeschäfte. Bei dem Versuch, das Gold der Belgrader Nationalbankzentrale fortzuschaffen, fielen die Barren den Partisanen Mihailowitschs in die Hände. Allerdings hatte bereits Himmler Ansprüche hierauf und ließ bei Neuhausen eine Hausdurchsuchung vornehmen, im Zuge derer mehrere 100 Kilogramm Gold gefunden wurden, woraufhin Neuhausen in ein deutsches KZ kam. Göring holte ihn dort heraus; beim Einmarsch der Alliierten befand sich Neuhausen bereits als "Verfolgter und Widerständler" deklariert auf seinem Landgut in Gilgen am Wolfgangsee. Später erfolgte die Auslieferung nach Jugoslawien, wo er dank älterer Seilschaften dem Vollzug seiner Kerkerhaft entging, weil er jugoslawische Kommunisten protegiert und in Ämtern positioniert hatte (Zitat Neuhausen: "Wer Kommunist ist, bestimme ich"). Seine Frau war bei Kriegsende in die Landesirrenanstalt geflüchtet und lebte später in München. Neuhausen besaß zahlreiche Immobilien und Landgüter.

1949 leitete er für den jugoslawischen Staat die Kupfergruben von Bor sowie die Blei- und Zinkwerke von Treptschs, zwar noch ohne Gehalt, aber mit allen sonstigen Vorteilen.

Quelle: Der Spiegel 47/1949, "Neuhausen behielt seinen Kopf. Sehr gut brauchbar"

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