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Lost Art


Buchthal, Eugen Moritz und Therese (Thea)

Eugen Moritz Buchthal (11.03.1878 in Berlin - 1954 in London) war der Mitinhaber der Firma Seeler-Herrmann & Co. (vorm. Seeler & Cohn), die Mäntel und andere Konfektionswaren herstellte. Er war mit Therese, genannt Thea, Buchthal, geb. Wolff (23.09.1888 in Greifswald - 1968 in London) verheiratet und hatte drei Kinder, Hugo (geb. 1909), Anne Gerda (geb. 1913) und Wolfgang (geb. 1922).
In den Jahren 1922/23 ließ sich Eugen Buchthal in der Lindenallee 22 in Berlin-Westend eine repräsentative Villa errichten, die heute als „eines der wenigen Beispiele des Expressionismus in der Berliner Architektur“ gilt. 1936 musste Eugen Buchthal sein Haus an Dr. Bruno Bruhn, Generaldirektor der Friedrich Krupp AG, verkaufen, räumte sich aber die Möglichkeit ein, Teile der Villa bis zu seiner Emigration im Jahr 1938 zu bewohnen.
Schon früh beschäftigte sich Eugen Moritz Buchthal mit Kunst und wurde zu einem passionierten Sammler. In seiner Sammlung befanden sich Gemälde des Expressionismus und der klassischen Moderne, wie Otto Müller, Emil Nolde, Max Pechstein, Lyonel Feininger sowie Skulpturen von Wilhelm Lehmbruck. Darüber hinaus besaß er zahlreiche Lithographien, Radierungen und Holzschnitte von Otto Dix, Lionel Feininger, Ernst Heckel, Wilhelm Lehmbruck, Paula Modersohn-Becker, Otto Müller und Franz Marc. Eugen Buchthal pflegte einen persönlichen Kontakt zu vielen Künstlern und erwarb zahlreiche Werke direkt von diesen. Zahlreiche Kunstwerke seiner Sammlung waren Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre in der Nationalgalerie ausgestellt, wie z.B. in der Ausstellung Nachimpressionistischer Kunst aus Berliner Privatbesitz, 1928 und den Ausstellungen von Otto Müller und von Lyonel Feininger im Jahr 1931.
Nachdem sein Sohn Hugo Buchthal, der bei Erwin Panofsky Kunstgeschichte studiert und im Juli 1933 promoviert hatte, 1934 nach London und seine Tochter Anne Gerda 1936 zu einem Auslandsstudium in Italien in die Emigration gegangen waren, entschloss sich auch die restliche Familie zur Emigration. Die seit Jahren sorgsam zusammengetragene Kunstsammlung musste sukzessive aufgelöst werden. An verschiedenen Terminen zwischen Januar und Anfang Februar 1936 lieferte Eugen Buchthal über 120 Lithographien, Radierungen und Holzschnitte in der Galerie Nierendorf, Berlin ein, deren Eingang dort im Lagerbuch vermerkt wurden. Käufer waren unter anderem Dr. Carl Hagemann, der mindestens sieben Graphiken von Ernst Heckel erwarb, und die Galerie Vömel, Düsseldorf. Das größte Konvolut, welches aus 25 Posten (29 Graphiken) bestand, erwarb das Kupferstichkabinett Berlin. Im Eingangsbuch des Kupferstichkabinetts ließen sich jedoch nur 15 Posten (16 Graphiken) nachvollziehen. Anzunehmen ist, dass die fehlenden wieder an die Galerie Nierendorf zurückgingen. 6 Posten (7 Graphiken) wurden entweder im Rahmen der „Aktion Entartete Kunst“ beschlagnahmt oder waren Kriegsverluste. Die verbliebenen neun Graphiken wurden im August 2017 von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz an die Erben Buchthal restituiert.
Drei weitere Objekte, die Eugen Buchthal ebenfalls in der Galerie Nierendorf einlieferte und die im Ausgangsbuch vermerkt sind, wurden nicht verkauft und gingen im Mai 1938 wieder an Eugen Buchthal zurück: „Mutter und Kind“ von Christian Rohlfs, „Selbstbildnis“ von Otto Mueller und „Longueil (Normandie)“ von Lyonel Feininger. Diese und einige weitere Objekte sind auf bisher unbekannten Wegen verloren gegangen oder veräußert worden.
Im Dezember 1936 musste Eugen Buchthal seine Münzsammlung bei der Reichsbanknebenstelle Charlottenburg abliefern. Die Geschäftsanteile der Firma verlor er im Juli 1938. Erst nach Entrichtung der Reichsfluchtsteuer und der Judenvermögensabgabe erhielt er vom Finanzamt Charlottenburg am 28.06.1938 die Unbedenklichkeitsbescheinigung, die ihm und seiner Familie die Ausreise im folgenden Monat ermöglichte. © Melder

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