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Lost Art


Sborowitz, Max und Irma

Max Sborowitz (29.04.1889 in Prostějov - 09.05.1955) war “Hauptaktionär und Leiter einer der größten Konfektionsfabriken der ČSR“, der Firma Gustav Sborowitz & Sohn (Gustav Sborowitz a syn). Die Firma wurde 1896 von Gustav Sborowitz gegründet, der seine Söhne Max (1913) und Fritz Sborowitz (1921) als Teilhaber in die Firma aufnahm sowie später die Söhne Hans und Bruno Sborowitz. Nach dem Tod von Gustav Sborowitz übernahmen alle vier Brüder die Leitung des Unternehmens, die es Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre zu einem modernen Unternehmen mit einer traditionell guten Produktqualität, einem neuen Maschinen-park mit innovativer Fließbandfertigung und einem nationalweitem Filialnetz unter der Marke SBOR ausbauten.
Die Familie von Max Sborowitz lebte in der Olmützer Straße 23 in einem neben der Fabrik befindlichen Wohn-gebäude. 1927 wurden zahlreiche Umbauten vorgenommen, die auch der Repräsentation der Kunstsammlung Genüge leisten sollten. Wie seine Ehefrau Irma Sborowitz, geb. Stiassny (geb. 10.10.1882 in Prostějov) nach dem Krieg schrieb, war ihr Mann „ein ausgesprochener Sammler [...]. Seine Spezialität waren Bilder, alter Schmuck, altes Silber, Antiquitäten jeder Art […].“ Eine Freundin der Familie sagte später: "Die Wohnung kann ohne jede Übertreibung als ein kleines Museum bezeichnet werden und war infolge ihrer Sammlungen weit über die Stadt Prossnitz hinaus bekannt. […] Es gab [neben den Gemälden und Graphiken] ganze Schränke voll von alten Gläsern und Messgewändern. Die Gläsersammlung hatte […] Herr Sborowitz von der Gräfin Silva Tarouca erworben […]. Es gab ferner in den Sammlungen […] eine Unmenge von […] Schmuck, […] Silbergegenständen, Stickereien, Brokaten, Tüchern […]." Seine über 170 Objekte umfassende Bildersammlung bestand vor allem aus Gemälden und Graphiken des 19. und 20. Jahrhunderts von über fünfzig österreichisch-ungarischen, deutschen und tschechischen Künstlern, wie z. B. von Rudolf von Alt, Jehuda Epstein, Friedrich Friedländer von Malheim und Isidor Kaufmann, und wurde von einigen Werken der Niederländischen Schule des 17. Jahrhunderts komplettiert. Die Sammlung wurde von Max Sborowitz für ein privates Album fortlaufend fotografiert und inventarisiert.

Als sich am 15.03.1939 die beginnende Besetzung der ČSR durch die Deutschen abzeichnete, floh die gesamte anwesende Familie, die auch auf Grund der exponierten Stellung der Familie mit drastischen Verfolgungs-maßnahmen rechnen musste, unter Hinterlassung ihres gesamten Besitzes, einschließlich der Kunstsammlung. Max Sborowitz flüchtete mit seiner Familie zunächst zu Verwandten in die Slowakei, später nach Palästina. Etwa zwei Monate nach ihrer Flucht aus Prossnitz erreichte die Familie die Nachricht, dass „die gesamte Wohnungseinrichtung […] von den Deutschen ausgeraubt“ worden sei. Die Firma, die zum Zeitpunkt der „Arisierung“ ca. 400 Angestellte hatte und laut den zuständigen deutschen Behörden einen Schätzwert von etwas mehr als 1 Million RM besaß, wurde von der Gestapo beschlagnahmt und in der Folge von dem österreichischen SA- und Reichstagsmitglied Leopold Mitterbauer übernommen, der die Fabrik in „Erste Mährische Kleiderfabrik L. Mitterbauer“ umbenannte und wohl noch in seiner Haftzeit nach 1945 die Adresse Olmützer Straße 23 als seine Wohnadresse führte.

Bisher wurden lediglich zwei Objekte der Bildersammlung restituiert resp. verglichen. Die schwierige Rekonstruktion der Kunstgewerbesammlung steht noch aus.

Quellen

• D - LAB, B Rep. 025-08, Nr. 3933/57, 3934/57, 3935/57, 3956/57. WGA Sborowitz.
• D - LAB, B Rep. 025-08, Nr. 1036/67. WGA Sborowitz.
• CZ - Národní archiv - Nemecké státní ministerstvo pro Cechy a Moravu (AMV 110). 518, sg.110-4366 .
• CZ - Národní archiv - Státní tajemník u říšského protektora v Čechách a na Moravě, 610, sg.109-4357.
• Radek Poledníček: Vliv židovské minority na socioekonomický rozvoj na Moravě případová studie Prostějova. Olomouc 2013. S.67-69, 85.
• Privatarchiv Erben Sborowitz, Album der Gemälde.
• US - NARA, RG 28, M1270. Transcribed interrogation records relate to the prosecution of war criminals in proceedings at Nuernberg, 1945-47. Roll 25. OCCPAC Interrogation Transcripts And Related Records. Mitterbauer, Leopold.

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