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Lost Art


Wolff, Helene

Helene Wolff wurde am 02.05.1870 in Fraustadt, Posen als Tochter von Mayr und Roza Levy geboren. Sie hatte mindestens drei Geschwister: Henriette Louise Koffka, geb. Levy (geb. 1865), Leopold Levy (geb. 1867) und Ludwig Alfred Levy (geb. 1874). Letzter ließ 1905 seinen Nachnamen in Lenhard ändern, ab 1928 trugen auch die Kinder und ab 1942 die Ehefrau von Leopold Levy, Margarete Levy, geb. Linke, diesen Nachnamen. 1888 heiratete Helene Levy den Rechtsanwalt, späteren Justizrat und Stadtverordneten, Richard Wolff (1854-1915). Die Ehe blieb kinderlos und nach dem Tod ihres Mannes blieb Helene Wolff alleinstehend.
Ab 1902 nahm Helene Wolff in ihrem eigenen Atelier Malunterricht bei Lovis Corinth und war damit, neben Charlotte Berend-Corinth, Lilli Waldenburg und Lisa Winchenbach, eine seiner ersten Schülerinnen. Zwei Jahre später kaufte Richard Wolff die ersten Werke von Corinth für die gemeinsame Sammlung, die nach seinem Tod 1915 in den alleinigen Besitz von Helene Wolff kamen. Auch wenn sich keine Abbildungen von Kunstwerken von Helene Wolff nachweisen ließen und der Umfang ihres Werkes unbekannt ist, sind nicht nur Ausstellungsteilnahmen dokumentiert (1908, 1912, 1913, 1927), sondern auch Einträge als Malerin im Berliner Adressbuch überliefert (1932, 1935, 1937). Daraus lässt sich die Annahme ableiten, dass sie bis in die späten dreißiger Jahre künstlerisch tätig war.
Spätestens ab 1937 litt Helene Wolff unter immer schweren werdenden psychischen Problemen, wie ihre Schwägerin Margarete Lenhard es ausdrückt: "reagierte [sie] übermäßig sensibel auf die immer stärker werdende antisemitische Welle [...] [und] wurde im April 1938 durch die Polizei in die Anstalt Wittenau gebracht." Auf Bemühungen ihres Bruders Leopold Levy wurde sie in das Sanatorium Waldhaus in Nikolassee verlegt, von wo sie im September oder Oktober 1939 in die Diakoninissenanstalt Bethanien in Kropp (Schleswig) überstellt wurde und wenig später in die Diakonissenanstalt Branitz (Oberschlesien). Der gesundheitliche Zustand von Helene Wolff besserte sich jedoch nicht, wie ihre Schwägerin im Rückblick schrieb: "Das Leben in den Anstalten hatte die leichte geistige Gebrechlichkeit von Frau Wolff verschlimmert. Sie fühlte sich verfolgt und bedroht." Auf Betreiben der staatlichen Behörden wurde sie Ende 1939 in die "Provinzial-Irrenanstalt" Leubus verlegt und von dort in die "Irrenanstalt Cholm [Chelm]" in Lublin, wo sie unter Verantwortung der "Zentraldienststelle T4" am 07.01.1941 ermordet wurde.
Zum Umfang der Kunstsammlung von Helene Wolff und deren genaue Verlustumstände ist bisher wenig bekannt. Das Werkverzeichnis von Lovis Corinth, verschiedene Dokumentensammlungen zu seinem Leben und einige andere Aktenbestände, u.a. der Nationalgalerie Berlin, geben Auskunft über die hier aufgeführten Objekte. Zwar sind verschiedene erfolglose Verkaufsversuche eines dieser Werke ab den dreißiger Jahren dokumentiert, aber eine Dokumentation von Verkäufen ist bisher weder in der Literatur noch in der Familienüberlieferung aufzufinden, so dass davon auszugehen ist, dass der Entzug der Objekte aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung geschah.
Es ist auch nicht auszuschließen, dass sich Werke weiterer Künstler in ihrer Sammlung befanden. So befand sich nachweislich ein Werk von Charles Hoguet, einem Berliner Maler des 19. Jahrhunderts mit französischen Wurzeln, in ihrem Besitz, was darauf hindeuten könnte, dass ihr Sammelinteresse nicht nur auf Werke ihres Lehrers Lovis Corinth gerichtet war.
In Bezug auf ihr eigenes künstlerisches Werk beklagte Helene Wolff 1937, obschon bereits unter den Begleiterscheinungen ihrer Krankheit leidend, dass ihre "Ölbilder, die wegen Platzmangels längere Zeit nicht in der Wohnung untergebracht werden konnten, sondern abwechselnd auf verschiedene[n] Böden oder Keller standen", verschwunden wären. Auch hier kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Werke von Helene Wolff, die nach 1933 noch ihrem Besitz waren, durch die nationalsozialistische Verfolgung in Verlust gerieten.

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