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Kunstschutz

Laut Haager Landkriegsordnung (1899 bzw. 1907) gehört der Kunstschutz zu den Pflichten der Militärverwaltung in besetzten Ländern.

Im Zweiten Weltkrieg war der Sitz des Kunstschutzes in Frankreich in Paris; zu seinen Aufgaben gehörte, Schlösser und Denkmäler vor Beschädigungen durch die Wehrmacht zu schützen, aber auch „Überwachung der Bergungsdepots der franz. Museen, Sicherstellung und Überwachung des ausländischen Kunstbesitzes, Vorbereitung der Rückführung des Deutschland geraubten Kunstgutes, Kontrolle und Steuerung des deutschen Kunsthandels in Frankreich […].“ (Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, R 61087a). Leiter war der Kunsthistoriker Franz Graf Wolff Metternich, ab Juli 1942 dessen Stellvertreter Bernhard von Tieschowitz. Der Kunstschutz war dem Oberkommando des Heeres-Generalquartiermeister zugeordnet und stand teils durchaus in Widerspruch zu Organisationen des NS-Staates, wie der SS, der Gestapo oder des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg (ERR).

Mit der deutschen Besatzung einhergehend, wurde auch der Kunstschutz in den betroffenen Gebieten ausgeweitet. Der Kunstschutz wurde in allen eroberten und besetzten Gebieten etabliert, in denen eine Militärverwaltung eingerichtet wurde, also in Belgien, Frankreich, Serbien, Griechenland (ab 1943), und Italien (ab 1943), nicht aber in den Protektoraten (wie Böhmen und Mähren), nicht in den Reichskommissariaten (wie Niederlande, Ostland, Ukraine, Norwegen), nicht im Reichsgau Wartheland, nicht im Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete, nicht in den annektierten Gebieten (wie Sudetenland, Luxemburg oder Lothringen und Elsass).

Der weitreichende Kunstraub durch die Deutschen konnte jedoch nicht verhindert werden, denn der Kunstschutz entwickelte sich in manchen Bereichen zum Handlanger des Systems, so z.B. des ERR in Frankreich.

Q: Kunsthistoriker im Krieg. Deutscher Militärischer Kunstschutz in Italien 1943-1945, hrsg. v.Christian Fuhrmeister, Johannes Griebel, Stephan Klingen und Ralf Peters (= Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, 29), Köln / Weimar / Wien 2012.

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