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Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)

Information über die seit Mai 1946 in der Sowjetunion befindlichen rund 200.000 Bände der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)

1. Wie kamen die Bücher der Sächsischen Landesbibliothek in die damalige Sowjetunion?

Die wertvollen Bestände der Sächsischen Landesbibliothek waren im Krieg in Schlössern in der Umgebung Dresdens ausgelagert. Dort  wurde ein großer Teil davon um die Jahreswende 1945/46 als vermeintlicher Feudalbesitz durch ein Kommando der Roten Armee sichergestellt und auf dem Bahnhof Radeberg konzentriert. Es gelang der Landesregierung Sachsen, den Irrtum aufzuklären. Am 4. Mai 1946 gab der Chef des Stabes der SMA folgenden Befehl:

"Stab der SMA Deutschland
Allg. Abt. Nr. 27 / 670
4. Mai 1946
An den
Chef der Verwaltung SMA in Sachsen
Generalmajor Gen. Dubrowskij
Übergeben Sie entsprechend der Zugehörigkeit 988
Kisten mit Büchern, die sich in Radeberg befinden, an
die Sächsische Landesbibliothek und an die Höhere
Technische Lehranstalt in Dresden.
Unterschrift: Der Chef des Stabes der SMA in Deutschland
Generalleutnant Dratwin"

Trotz dieses Befehls wurden die Bücher jedoch am 7. Mai 1946 abtransportiert. Nach den Akten der Sächsischen Landesbibliothek waren es mindestens 16.000 Kisten mit rund 195.000 Titeln in über 200.000 Bänden. Der Inhalt der abtransportieren Kisten ist an der Sächsischen Landesbibliothek größtenteils erfasst und nachweisbar.

Auf Grund der zwischen den Regierungen der UdSSR und der DDR am 7. Januar 1957 getroffenen Vereinbarung über die gegenseitige Rückgabe von Kulturgut erhielt die Sächsische Landesbibliothek im Jahre 1958   5.697 Handschriftenbände aus der Leninbibliothek in Moskau zurück. Die Druckschriften wurden als nicht auffindbar bezeichnet. Es gab jedoch damals und in den folgenden Jahren immer wieder Hinweise, aus denen hervorging, dass sich der größte Teil der vermissten Druckschriften der Sächsischen Landesbibliothek in der Staatlichen Leninbibliothek in Moskau befindet. Ein 1986 veröffentlichter Reisebericht des Osnabrücker Germanisten und Bibliographen Prof. Garber enthält dieselbe Feststellung, ebenso auch ein Bericht von Prof. Burgemeister und Dr. Boddin über einen Studienaufenthalt im Buchmuseum der Leninbibliothek Anfang Januar 1988.
Dem norwegischen Geographen L. Roznicek verdankt die Sächschische Landesbibliothek die Mitteilung, dass sich die vermissten historischen Karten der Sächsischen Landesbibliothek (ca. 11.000) möglicherweise im Kartenarchiv in Kaliningrad / Königsberg befinden.

2. Charakteristik der in Russland hauptsächlich in der Staatsbibliothek Moskau befindlichen rund 200.000 Bände der SLUB Dresden

Die in Russland befindlichen rund 200.000 Bände der SLUB gehören zum Kernbestand des nationalen Kulturerbes und sind ein besonders wertvoller Teil der in vier Jahrhunderten organisch aufgebauten Sammlungen dieser Bibliothek, die mit der Deutschen Staatsbibliothek München eine der drei wichtigsten Bewahrbibliotheken alter Literatur in Deutschland ist. Der große Reichtum der Sammlungen der Sächsischen Landesbibliothek, die große Zahl von Rara und Unica, erklärt sich aus der Tatsache, dass Sachsen seit dem 15. Jahrhundert der wirtschaftlich, sozial und geistig-kulturell am höchsten entwickelte deutsche Flächenstaat war, der sich in der Zeit seiner größten Ausdehnung als Kurfürstentum auch über große Teile der heutigen Länder Sachsen-Anhalt und Brandenburg erstreckte. Um 1800 war die SLUB  - damals unter dem Namen Kurfürstliche Bibliothek - die größte Universalbibliothek des deutschen Sprachgebiets und eine der größten Europas, und sie ist für die bis zu diesem Zeitpunkt erschienene Literatur bis heute eine erstrangige europäische Bibliothek. Hinzu kommt, dass die SLUB für die Zeit von den Anfängen des Buchdrucks bis zum Jahr 1913, dem Gründungsjahr der Deutschen Bücherei Leipzig, das nationale Teilarchiv für das in Sachsen erscheinende Schrifttum ist. Die in Russland befindlichen 200 000 Bände der SLUB umfassen annähernd 35 % der unentbehrlichen Quellenbasis.
Wiederholt dienten die reichen Bestände der Sächsischen Landesbibliothek zur Erarbeitung von Fachbibliographien. Zahlreiche der in Russland befindlichen Werke werden durch diese Bibliographien, die in allen großen alten Bibliotheken der Welt vorhanden sind, als Besitz der SLUB ausgewiesen.

Nach Erscheinungsjahren gliedern sich die noch in Russland befindlichen Bücher in

rund 1.539 Druckschriften aus dem 15. Jahrhundert (Inkunabeln)
rund 80.000 Druckschriften aus dem 16. - 18. Jahrhundert
rund 80.000 Druckschriften aus dem Zeitraum 1800 - 1913 und
rund 40.000 Druckschriften der Erscheinungsjahre 1913 - 1933.

3. Zur Identifizierung der in Russland befindlichen Bücher der SLUB

Die SLUB führte bis 1806 den Namen Kurfürstliche Bibliothek Dresden und von 1806 bis 1917 den Namen Königliche Öffentliche Bibliothek. Die Umbenennung in Sächsische Landesbibliothek erfolgte 1918, jedoch erst seit 1920 wurden die Neuerwerbungen mit diesem Namen gestempelt.
Ebenso wie in anderen alten Bibliotheken, die im Laufe ihrer Geschichte mehrfach ihren Namen änderten, wurden auch an der Sächsischen Landesbibliothek die Bücher nicht umgestempelt. Von den 200.000 nach Moskau gebrachten Bänden tragen somit nur die nach 1920 erworbenen den Stempel Sächsische Landesbibliothek. Bücher, die zwischen 1556 und 1918 erworben worden sind, tragen unterschiedliche historische Besitzvermerke. Die Kenntnis dieser Besitzvermerke, über die an der Sächsischen Landesbibliothek ein umfassendes Verzeichnis erarbeitet worden ist, ist notwendig, um den in Moskau befindlichen Bibliotheksbestand identifizieren zu können. Aus diesem Grund sollte in den Verhandlungen über die Rückführung angestrebt werden, dass Experten aus Dresden bei der Identifizierung der zurückzuführenden Bestände in Moskau mitarbeiten dürfen.

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