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Lost Art


Kriegsbedingt verschollene Bronzeplastik „Jagdgöttin DIANA mit Hirschgruppe“

Name
Hans-Werner Liebig
Eingabedatum
11.09.2009

Kriegsbedingt verschollene Bronzeplastik „Jagdgöttin DIANA mit Hirschgruppe“ aus dem Park des ehemaligen Gutes HOHEHORST (LÖHNHORST)

lebensgroße Bronzeplastik „Jagdgöttin DIANA mit Hirschgruppe“

Das Herrenhaus HOHEHORST wurde nach Abriss des alten Schlosses in den Jahren 1928/29 von der Bremer Familiendynastie LAHUSEN (Inhaber der ehem. NORDWOLLE AG mit annähernd 30.000 Mitarbeitern weltweit) in LÖHNHORST (heute Gemeinde SCHWANEWEDE) am Stadtrand von BREMEN-VEGESACK erbaut. Das herrschaftliche Gebäude mit über 100 Zimmern und zugehörigem Landschaftspark wurde von namhaften Baumeistern und Künstlern aus dem gesamten Deutschen Reich geschaffen. Die wesentlichen Plastiken im Außenbereich (Bronze und Obernkirchener Sandstein) gestaltete 1929 der Münchener Bildhauer Prof. Friedrich Lommel.

Das Herrenhaus HOHEHORST

Die lebensgroße Bronzeplastik „Jagdgöttin DIANA mit Hirschgruppe“ stand im Rosengarten hinter dem Wasserbecken in Blickrichtung zum weitläufigen Landschaftspark. Der Bronzeguss wurde von der bekannten Münchener „Königlichen Erzgießerei Ferdinand von Miller“ ausgeführt (Signatur nicht bekannt).

1931 ging der Familienkonzern NORDWOLLE im Zuge der Weltwirtschaftskrise in Insolvenz. Schon im gleichen Jahr wurde wegen persönlicher Haftung das gesamte Inventar des Hauses mit allen Kunstschätzen versteigert. Die Immobilie mit den Außenanlagen ging 1935 an die staatliche „Reichsumsiedlungsgesellschaft“ (RUGes). 1938 richtete in dem Anwesen der SS-nahe Verein „Lebensborn“ unter dem Namen „Heim Friesland“ ein Entbindungsheim für ledige Mütter ein, die hier zur „Förderung des arischen Nachwuchses“ in der Anonymität ihre Kinder zur Welt bringen und zur Adoption freigeben konnten. Das Heim wurde mit Unterbrechungen bis Kriegsende 1945 betrieben.
Zu diesem Zeitpunkt war nach übereinstimmenden Aussagen ehemaliger Zeitzeugen die Skulptur „Jagdgöttin DIANA“ noch im Park vorhanden.
Bald nach der Kapitulation übernahm die US-Army die militärische Verantwortung in der „BREMEN-ENCLAVE“, um primär eine logistische Basis an der Nordseeküste und Unterweser zu haben. Das Herrenhaus HOHEHORST wurde von 1945-1948 von Truppen des "Bremen Port Command"/BPC in der BREMEN-ENCLAVE als Offizier-Kasino (Country-House /Officers Club) genutzt. Nach Aufgabe des Kasinos soll die „DIANA“ laut Zeitzeugenberichten von den US-Truppen mitgenommen worden sein. Allerdings gibt es hier keinerlei Dokumente und Bilder, welche belegen, um welche US-Truppenteile es sich ggf.handelte.

In deutschen Archiven wurde ich nicht fündig. Eine Recherche über Militär- und Presse-Attaché der US-Botschaft und Unterstützung des Kulturstaatsministers Bernd Neumann in 2009 brachte ebenfalls keinen Erfolg. Man verwies dort auf Internet-Recherchen bei Veteranenverbänden und auf das US-National-Archiv NARA (National Archives and Records Administration) in Washington. Im NARA fand ich zwar folgende Signaturen, aber eine persönliche Recherche in Washington über HOHEHORST und dem evtl. Verbleib der DIANA ist mir nicht möglich. Evtl. lassen sich dort die ehemaligen Truppenteile als Nutzer von HOHEHORST nachweisen, gegebenenfalls auch Fotos von dem Haus oder Außengelände, auf denen man die vermisste Skulptur erkennen kann:

Nach meinen Untersuchungen könnte es sich nur um Truppenteile handeln, die in der Nähe zu HOHEHORST stationiert waren:

  • Camp GROHN mit dem Hauptquartier 29. US Infanterie Division „29 Let’s go“
    (in der ehemaligen Kaserne des Flak-Regiments 26 der Wehrmacht in BREMEN-GROHN) heute die internationale “Jacobs University”.
  • LESUM-Barracks mit dem 121. US General Hospital
    (heute FRIEDEHORST, als gemeinnützige Einrichtung für Pflege und Rehabilitation)

Erst 1950 wurde die Rechtsnachfolge des „LEBENSBORN“ auf dem HOHEHORST-Gelände geregelt. Der „Allgemeine Koordinierungsausschuss“ in Celle übertrug Herrenhaus und Gut auf das neue Land NIEDERSACHSEN. Dieser neue Eigentümer versuchte mehrfach, das Anwesen zu verkaufen, das Land Niedersachsen machte offensichtlich keine Eigentumsansprüche an der vermissten DIANA geltend. 1958 wurde die BREMER HEIMSTIFTUNG zum Betrieb eines Krankenhauses neuer Besitzer mit Darlehen und Bürgschaften des Landes BREMEN. 1962 wurde das Land BREMEN für 1 Mio. DM neue Eigentümerin zum Betrieb eines Fachkrankenhauses. Dieses wurde 1978 wieder aufgegeben und die Liegenschaft wurde1981 an die DROGENHILFE BREMEN e.V. verpachtet, welche hier bis heute ein Therapiezentrum betreibt.

Für unsere Dorfgeschichte hätte ich gerne den Verbleib der DIANA aufgeklärt. Vielleicht steht die Plastik irgendwo in den USA in einer Kaserne oder auf einem größeren privaten Grundstück. Meine Untersuchungen erstreckten sich bisher in viele Richtungen und auf noch lebende Veteranen in den USA. Die Grenzen der schwierigen Erforschung wurden für mich bald deutlich, weil es altersbedingt nach nunmehr 60 Jahren kaum noch Veteranen gibt, die sachdienliche Aussagen oder Fotos liefern können.

In die Lost Art-Datenbank kann sich nur der Eigentümer eines kriegsbedingt verbrachten Kulturgutes oder der unmittelbare Rechtsnachfolger eintragen.
Da das Land NIEDERSACHSEN aber keinen Verlust geltend gemacht hat, versuche ich im Interesse der Historie unserer Ortschaft LÖHNHORST den Verbleib der Bronze-Plastik DIANA als letzte Möglichkeit über dieses Forum von Lost Art aufzuklären.

HANS-WERNER LIEBIG
Vorlöhnhorster Weg 53
28790 Schwanewede-Löhnhorst
Tel.: Bremen 0421 / 62 22 73
Fax: 0421 / 69 20 944
E-Mail:H-W.Liebig@gmx.de

Datei ist nicht barrierefrei Auf der Jagd nach der Diana-Skulptur (PDF/245-KB)

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