Henkelvase mit Deckel
Große Vase mit zwei gegenständigen, C-förmigen Henkeln und rundem Hohlfuß auf quadratischem Sockel; bauchige Form mit gerader Wandung und scharfem Schulterumbruch; Schulter mit sehr geringer Steigung; kurzer, gerader Hals und wulstige Randlippe; Gefäßwandung mehrfarbig bemalt, auf einer Seite Blumenarrangement mit großer, gelber Tulpe im Zentrum und kleinen blauen und gelben Blüten; auf der gegenüberliegenden Seite die Initialen "G R" (=Georgius Rex) aus verschlungenen Buchstaben, welche aus Girlanden von kleinen blauen Blüten und grünen Blättern gebildet werden; Marke auf dem Boden des Sockels: drei Halbmonde über einem waagerechten Strich (Marke der Fayence-Manufaktur Hannoversch-Münden, welche sich auf die drei Halbmonde im Stammwappen der Familie von Hanstein bezieht), darunter "K" (Malermarke). Deckel: glockenförmiger, mehrfach abgesetzter Hohldeckel mit Knauf in Form einer gelben Eichel mit grüner Kappe und Steckzarge; Marke auf der Innenseite: drei Halbmonde über einem waagerechten Strich, darunter "E" (Malermarke).
1940 beim Kunsthändler Emil Backhaus (1873–1955) erworben. Emil Backhaus war seit 1914 als Kunst- und Antiquitätenhändler in Hannover tätig und bezog 1919 ein Wohn- und Geschäftshaus in der Königstraße 12. Backhaus prüfte als Vertrauensmann der Zollfahndungsstelle jüdisches Umzugsgut im Hinblick auf Kulturgut und kaufte von der Mitnahme ausgeschlossene Güter teilweise selbst an. Laut Aussagen aus der Nachkriegszeit unterhielt er ab 1940 Geschäftsbeziehungen in die besetzten Niederlande, wohin seine Töchter 1940 verzogen, unter anderem zum Auktionshaus van Marle & Bignell. Ab 1945 stand sein Geschäft wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft unter treuhänderischer Verwaltung.
Archivquellen: Bomann-Museum Celle, Archiv, Akte Eigenes + fremdes Eigentum, aufbewahrt in Schloß und Museum: Weltkrieg II (mit Verzeichnis der von Emil Backhaus eingelagerten Werke); Niedersächsisches Landesarchiv Hannover (NLA HA), Hann. 210 (OFP Hannover, diverse Vermögens- und Devisenangelegenheiten, darunter Hann. 210, Acc. 2004/023, Nr. 906 und Nr. 1317; Acc. 2004/025, Nr. 187 und Nr. 1152, Nr. 242, Nr. 1086 und 1087, Nr. 3885; NLA HA, Hann. 210 Acc. 2004/024, Nr. 3180 (Landesfinanzamt, Oberpräsident, Vermögensverwertungs- und Devisenstelle, Genehmigungsangelegenheiten); NLA HA, Nds. 171, Hann. Nr. 20034 (Entnazifizierungsverfahren); NLA HA, Nds. 210 Nr. 904/2 (Vermögenskontrollen Stadtkreis Hannover, 1947–1949); NLA HA, Nds. 401, Acc. 2015/69, Nr. 29; Nds. 110 W Acc. 14/99, Nr. 105654; Niedersächsisches Landesarchiv Wolfenbüttel (NLA Wf), 58 Nds. Fb.3 Zg. 62/1985, Teil 2, Nr. 23/032; Stadtarchiv Hannover, Einwohnermelde- und Gewerbekartei; Rechtsamt, Nr. 32, 45, 75; AAA Nr. 2392; HR 10 Nr. 1429; Stadtarchiv Celle, 29/III Nr. 89. Literatur: Galler, Christopher M.: Der Kunsthandel in Hannover. Bezugsquelle für die Sammlung des Bomann-Museums, in: Christopher M. Galler, Jochen Meiners (Hgg.): Regionaler Kunsthandel. Eine Herausforderung für die Provenienzforschung?! Celle 2022, S. 26–88; Externer Link
Bomann-Museum Celle
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